
Wohnen in Ziegenrode 2035
Wir schreiben das Jahr 2035 ...
... und in Ziegenrode gibt es nun ein Mehrgenerationenprojekt, das zu einem zentralen Treffpunkt für Jung und Alt geworden ist. Das ehemalige Hofgut am Dorfrand betrieb früher hauptsächlich Ackerbau und eine Pferdereitschule. Mangels Nachfolge suchte die Familie früh nach alternativen Nutzungsformen.
Der Weg zur Hofgemeinschaft
Die Transformation begann 2025, als die Familie entschied, die leerstehenden Wirtschaftsflächen und Ställe in ein gemeinschaftliches Wohn- und Lebensprojekt umzuwandeln. Inspiriert von Veranstaltungen des „Stammtisches Gemeinschaftlich Wohnen” wollten sie wieder eine lebendige Hofgemeinschaft schaffen, so wie es ihre Großeltern noch kannten. Damals arbeiteten und lebten auf dem Hof über 30 Menschen. Mit Unterstützung eines Architekten und der Uni Witzenhausen entstanden mehrere Konzeptvorschläge. Mit Fördermitteln aus dem LEADER-Programm und durch die Unterstützung der Dorfstiftung startete eine erste Bauphase, in der ein Gemeinschaftsraum sowie drei Wohneinheiten entstanden. Diese wurden an eine Studierenden-WG, eine Senior:innen-WG und eine junge Familie vermietet. Die neu geschaffene Infrastruktur ermöglichte Veranstaltungen, wie ein regelmäßiges Dorfkino, und diente als Treffpunkt für die Kinder des Kindergartens, die regelmäßig kamen, um mit den Pferden zu spielen und die Landwirtschaft kennenzulernen.
Mit dem Erfolg der ersten Phase wuchs auch die Motivation der neuen Hofgemeinschaft. 2027 wurde ein Hofcafé eröffnet, das seither ein beliebter Treffpunkt für die Dorfbevölkerung und überregionale Gäste ist. Der ausgebaute „Heuboden” ist als Pension fast dauerhaft ausgebucht; viele Touristen, die gern in der Gegend wandern, verweilen in dem Café.
In einer zweiten Ausbauphase entstanden barrierefreie Wohnungen und Räumlichkeiten für Seminare und Workshops. Heute leben 20 Erwachsene und fünf Kinder auf dem Hof. Eine „soziale Landwirtschaft” bietet älteren Menschen eine sinnvolle Beschäftigung an und junge Familien können durch die Unterstützung der Älteren ihre Kinderbetreuung flexibler gestalten.
Regelmäßig finden Feste, Märkte und Bildungsangebote statt, die die Gemeinschaft stärken und Ziegenrode überregional bekannt gemacht haben. Der Erfolg dieses Projekts hat weitere Initiativen in der Region inspiriert, sodass gemeinschaftliches Wohnen heute eine feste Instanz im Werra-Meißner-Kreis ist.
Aus einem anfänglichen Stammtisch engagierter Bürger:innen für Gemeinschaftliches Wohnen gründete sich ein Verein für Gemeinschaftliches Wohnen im Werra-Meißner-Kreis, der es sich zur Aufgabe machte, gemeinschaftliche Wohnprojekte im Kreis zu fördern.
Die Kreisverwaltung erkannte das Potenzial dieser Entwicklung. Sie erstellte in Kooperation mit dem Verein ein lange überfälliges Leerstandskataster und stellte ungenutzte Gebäude und Grundstücke im Besitz des Kreises bevorzugt für gemeinschaftliche Wohnprojekte bereit. Außerdem unterstützte sie die Initiativen bei der Beantragung von Fördermitteln und der Überwindung bürokratischer Hürden.