
Ernährungsversorgung in Ziegenrode 2035
Wir schreiben das Jahr 2035 ...
... und Ziegenrode ist ein Vorbild für eine resiliente Ernährungsversorgung geworden. Die Landschaft um das Dorf hat sich vollkommen gewandelt: Entlang der Feldwege wachsen Obst- und Nussbäume, Bienen summen umher, und Schafe grasen auf den Weiden. Die Dorfgemeinschaft hat eine nahezu autarke Versorgung geschaffen, zu der alle beitragen.
Wie wurde das möglich?
Es waren viele parallele Entwicklungen, die dazu beigetragen haben. Heute kann niemand mehr sagen, was genau ausschlaggebend für die Ernährungswende gewesen war. Waren es die steigenden Preise für Öl, die industrielle Landwirtschaft immer teurer werden ließen? Oder das Engagement von vielen, das irgendwann eine magische Schwelle überschritten hat?
Bereits 2025 wurden die Weichen gestellt, als ein Ernährungsrat im Kreis gegründet wurde, der Landwirt:innen, Verarbeiter:innen, Verbraucher:innen, Wissenschaftler:innen und die Kommunalpolitik an einen Tisch brachte. Ziel war es, eine gemeinsame Vision zu entwickeln: eine Ernährung, die auf Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit setzt. Bei einer Langen Tafel in Ziegenrode wurde die Gründung eines eigenen Obst- und Gemüsebetriebs beschlossen. Dieser mitgliedergetragene Betrieb am Dorfrand kombiniert moderne Anbaumethoden wie Agroforstsysteme mit traditionellen Techniken. Zwei fest angestellte Gärtner:innen leiten den Betrieb, während viele Leute aus dem Dorf regelmäßig bei der Ernte und Pflege mit anpacken. Ein wichtiger Wendepunkt war die erste große Ernte im Jahr 2028. Das frische und geschmackvolle Obst und Gemüse überzeugte selbst die Skeptiker:innen von der neuen Ernährungsstrategie.
Die neuen Strukturen:
Heute stammen über 80 % der konsumierten Lebensmittel direkt aus der Region. Dazu tragen folgende Faktoren bei:
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Mitgliedergeführter Dorfladen: In einem eigenen Dorfladen werden saisonale und regionale Produkte angeboten. In Ziegenrode gilt es inzwischen als verpönt, in einem Supermarkt einzukaufen.
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Selbstversorgung: Viele Haushalte produzieren wieder eigenes Gemüse. Teilweise wurden Grundstücke mit den Nachbarn zusammengelegt, um sich die Verantwortung zu teilen.
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Schul- und Kitaversorgung: Die Dorfküche wird aus dem Dorfgemeinschaftshaus betrieben und beliefert den eigenen Kindergarten und eine Schule in Eschwege mit gesunden, regionalen Mahlzeiten.
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Agroforstwirtschaft: Felder, die früher von Monokulturen dominiert wurden, bieten nun eine Mischung aus Nahrungsmittelpflanzen und Waldstreifen, die die Biodiversität fördern und das Mikroklima stabilisieren.
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Gemeinsames Essen und Feiern: In Ziegenrode finden regelmäßig Feste und Aktionen statt, bei denen zusammen angepackt und gefeiert wird. Besonders beliebt bei den Kindern ist der „Nüssetag“, bei dem sie sich zusammenschließen, um gemeinsam mehr Nüsse als die Erwachsenen zu sammeln.
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Kreisläufe schließen: Eine wichtige Innovation war das Dorf-Kompost-System, das den Haus- und Grünabfall in hochwertigen Dünger verwandelt. Zudem wurde ein Pyrolysekraftwerk gebaut, das Pflanzenkohle erzeugt und gleichzeitig CO2 bindet.
Wenn der Abend sich über die Felder senkt, sammeln sich einige Bewohner:innen oft bei der alten Linde im Ortskern. Dort, im Schatten des Baumes, genießen sie ein kühles Bier und schwelgen in Erinnerungen